Gegensteuernde Kräfte – und wie du sie kreativ überlistest
In Vadim Zelands Buch „Transsurfing“ wird ein spannendes Konzept beschrieben: gegensteuernde Kräfte. Das sind Kräfte, die genau dann aktiv werden, wenn wir beginnen, unser Leben zu verändern.
Du kennst das vielleicht: Du beschließt, regelmäßig Sport zu machen. Die Sportschuhe stehen bereit. Du ziehst sie an, schnappst dir deine Kopfhörer und …
Genau in diesem Moment ruft dein Chef an — dringend muss etwas fertiggestellt werden.
Du stellst schnell den Bericht fertig, ziehst wieder die Schuhe an und stehst schon in der Tür, als plötzlich … die Schule anruft: Du musst dringend dein Kind abholen.
Und dann kommen die ersten Zweifel an der Idee mit dem Sport. Du hoffst, abends noch etwas Zeit erübrigen zu können. Aber … Abends wartet die Familie. Und nach dem Abendessen ist man ohnehin viel zu träge.
Ein oder zwei solcher Tage – und dein Vorhaben verschwindet wieder. Zufall? Vielleicht. Aber oft ist es ein System.
Warum entstehen diese gegensteuernden Kräfte?
Das Leben strebt nach Gleichgewicht. Solange du „mit dem Strom“ schwimmst, ist alles stabil. Doch sobald du dich entscheidest, gegen den Strom zu schwimmen, erzeugst du Spannung. Veränderung bedeutet Energie. Und Energie erzeugt Reibung.
Die gegensteuernden Kräfte prüfen dich: „Meinst du es ernst? Oder gibst du gleich wieder auf?“
Besser wäre es für das System, wenn du aufgibst. Dann bleibt alles beim Alten und nichts muss angepasst werden. Nicht deine Arbeit, nicht deine Kindersorgen, nicht dein Familienleben – nicht einmal du selbst.
Die gute Nachricht
Diese Phase dauert nicht ewig. Wenn du trotz Störungen immer wieder zu deiner Entscheidung zurückkehrst, betrittst du irgendwann einen neuen Strom.
Und dann verändert sich deine Realität. Es entsteht eine neue Normalität. Am Beispiel Sport bedeutet das: bessere Ausdauer, ein gesünderer und schönerer Körper, du wirst Vorbild für deine Kinder. Eine ausgeglichene Stimmung wirkt sich positiv auf dein Privat- und Arbeitsleben aus.
Wie umgeht man gegensteuernde Kräfte kreativ?
1. Klare Vision
Wenn du nicht weißt, wohin du willst, bleibst du stehen. Eine Vision zu entwickeln ist bereits ein kreativer Akt. Sobald du dir vorstellst, wie du sein möchtest, erschaffst du innerlich ein neues Bild.
Halte an diesem Bild fest, aber mache es nicht zu deinem Fixpunkt. Du kannst woanders ankommen – und vielleicht wird es sogar besser, als du es dir vorgestellt hast.
Mach dieses Bild konkret, indem du es aufschreibst, ein Vision-Board erstellst, dich regelmäßig der Visualisation – also dem Tagträumen – hingibst und darüber sprichst. Tu alles, was deine Vision unterstützen kann.
2. Bleibe deiner Entscheidung treu
Auch wenn es heute nicht geklappt hat. Auch wenn du in Sportschuhen im Homeoffice saßt. Halte innerlich an deinem Ziel fest. Fang immer wieder neu an und bleib am Ball. Auch wenn du heute nur fünf Minuten deine Straße entlang gelaufen bist – das ist besser als nichts. Mach weiter. Und ärgere dich nicht, dass es keine Stunde war.
Erinnere dich immer wieder an dein Ziel. Schaffe dir kleine Reminder. Es kann ein Bild an der Wand sein oder ein Armband. Übrigens ist das mein Lieblings-Reminder. Meine Ziele sind auf einem Armband untergebracht und begleiten mich den ganzen Tag.
Selbst wenn ich es einmal nicht trage, denke ich automatisch an die einzelnen Bausteine und ihre Bedeutung für mich.
3. Keine radikalen Umbrüche
„Ab morgen wird alles anders!“ – das ist die Devise vieler, die es nie durchziehen. Große Worte, aber nichts dahinter. Entscheidungen aus einer Laune heraus, die genauso schnell wieder verschwinden.
Baue stattdessen ein System. Ein System aus deinen Zielen. Nicht sofort 50 Kilo abnehmen, superschlank und sportlich aussehen und Brad Pitt heiraten. Fang klein an. Formuliere verständliche Ziele und Unterziele. Erarbeite ein System, das zu dir passt – und halte dich daran. Dieses System besteht aus Mikro-Zielen, und diese aus noch kleineren Mikro-Schritten. Je kleiner, desto besser.
4. Verbinde Veränderung mit Freude
Gegensteuernde Kräfte reagieren auf Druck. Sobald du etwas „musst“, entsteht Widerstand.
Hier kommt deine Kreativität ins Spiel. Wenn du tanzt statt „trainierst“, wenn du spielst statt „kämpfst“, schläft der Widerstand. Freude tarnt Veränderung.
Gestalte deine neuen Gewohnheiten angenehm. Sie sollten angenehmer sein als die alten, die du ersetzen möchtest. Übrigens ist es immer einfacher, eine alte Gewohnheit durch eine neue konstruktive zu ersetzen, statt sie nur zu verbieten.
Schaffe Rituale. Atmosphäre. Kleine Belohnungen. Und habe Spaß dabei. Wenn Freude ins Spiel kommt, verlieren die gegensteuernden Kräfte an Macht. Denn du kämpfst nicht mehr — du genießt den Prozess.
Vielleicht musst du gar nicht joggen. Vielleicht wäre eine Tanzeinheit für dich viel interessanter. Probiere es einfach aus.
5. Schöne Erinnerungen
Unser Geist fällt schnell in alte Muster zurück. Darum brauchst du visuelle Anker und Erinnerungen.
Ich bevorzuge Schmuck als funkelnden Reminder. Ich trage kaum Schmuck, der mich an nichts erinnert. Und wir wählen in der Regel nur Schmuckstücke, die wir gern betrachten. Selbst Ohrringe. Jeder flüchtige Blick in den Spiegel zaubert mir ein Lächeln ins Gesicht, wenn ich die kleinen Funkelsteine sehe.
Aktuell habe ich mir zu Jahresbeginn viele Ziele gesetzt und mich deshalb für ein Armband mit unterschiedlichen Perlen entschieden. Jede steht für ein Ziel. Keine ist zufällig gewählt. Sobald ein Ziel erreicht ist, nehme ich die entsprechende Perle ab. Das ist zusätzliche Motivation.
6. Kunst als Transformationswerkzeug
Und nicht zuletzt wirkt die Kunst auf mehreren Ebenen gleichzeitig. Beschäftige dich mit Kunst, und Veränderungen entstehen sanfter und ungezwungener. Kunst entspannt das Nervensystem und strukturiert das Denken. Sie fördert Disziplin ohne Druck und trainiert deinen Fokus. Sie stärkt die Selbstwirksamkeit und entwickelt emotionale Stabilität. Und was noch wichtiger ist: Sie bringt dich in den Flow-Zustand, den du auf alle anderen Bereiche deines Lebens übertragen kannst.
Besonders strukturierende Kunstformen wie Zentangle, Mandalas oder geometrisches Zeichnen helfen dem Gehirn, Ordnung zu lernen. Innere Ordnung führt zu äußerer Veränderung.
Wenn du wissen willst, wie das für dich funktioniert, teste doch einfach meinen kostenlosen Online-Kurs ZenGrafik. Dort kannst du erste Übungen machen und verschiedene Stilrichtungen der ZenGrafik kennenlernen.
Zum Schluss möchte ich dir noch mitgeben:
Gegensteuernde Kräfte erscheinen, wenn du wächst. Sie sind kein Stoppzeichen. Sie sind ein Wachstumsindikator. Begegne ihnen nicht mit Kampf — sondern mit Kreativität. Mit Spiel. Mit Kunst. Und mit Freude.
Doch innere Gegenkräfte zeigen sich nicht nur in Form von Widerstand oder Selbstsabotage. Sie wirken oft viel subtiler – im Alltag, in unseren Routinen, in dem, was wir täglich tun oder eben nicht tun.
Wenn wir Kreativität nicht als spontanen Geistesblitz verstehen, sondern als Kraft, die genährt werden will, kommen wir unweigerlich zu einer entscheidenden Frage: Welche Gewohnheiten stärken sie – und welche schwächen sie?
Im nächsten Artikel geht es deshalb ganz konkret um die Bildung positiver Gewohnheiten und darum, wie wir durch bewusste, kleine tägliche Rituale unsere kreative Energie nicht dem Zufall überlassen, sondern gezielt fördern können.
Disziplin trifft Inspiration: Wie tägliche Rituale Kreativität stärken